Tanja

Tanja, 22. Februar 2016 Entdecken

Die Tücken der Ernährungsumstellung

Einmal Zöliakie – immer Zöliakie! Mit diesen Worten eröffnete meine Ernährungsberaterin den vereinbarten Termin im Jahr 2000. Völlig ahnungslos verfolgte ich aufmerksam das Gespräch und hatte noch keine Vorstellung, wie konsequent meine zukünftige und vor allem lebenslange Ernährung ohne Gluten sein sollte! Umfangreiche Lebensmittellisten, auf welchen so ziemlich alles stand was bisher meinen Speiseplan füllte, versetzten mich kurzzeitig in einen Schockzustand! „Unser täglich Brot“ soll mich krankmachen? Das konnte doch nicht sein! Oder doch??

Zum Zeitpunkt meiner Diagnosestellung war Zöliakie noch recht unbekannt, selbst mein Arzt konnte mir nur eine sehr grobe Auflistung der zu meidenden Lebensmittel aufzählen. Die Deklarationspflicht für eine gesicherte glutenfreie Ernährung war damals noch weit entfernt. Einzig die Mitgliedschaft bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) brachte Licht ins Dunkel! Alle nötigen Informationen, umfangreiche Lebensmittelbücher und glutenfreie Rezepte erleichterten mir damals den glutenfreien Alltag sehr. Ein Einkauf ohne die Lebensmittelbücher der DZG war kaum möglich!

Restaurant Teller GlaeserDie Ernährungsumstellung findet jedoch nicht nur in den eigenen vier Wänden statt. Auch bei Restaurantbesuchen, im Urlaub und bei Ausflügen bedarf es zwangsläufig einer Umstellung der bisherigen Ess- und Zubereitungsgewohnheiten. Auswärts essen war dennoch nicht so einfach wie gedacht. Nach langem Erklären der Thematik wurde Gluten mit Glutamat verwechselt oder Gastronomen gingen von der Annahme aus, dass Gluten zum Beispiel während des Frittiervorgangs seine Wirkung verliert! Wie fatal! Sehr gut kann ich mich noch an einen Besuch bei einem Italiener erinnern! Der überaus freundliche und engagierte Besitzer erkundigte sich haarklein, welche Lebensmittel glutenhaltig sind und auch bezüglich der Zubereitung hackte er nach, worauf er achten muss. Nun war alles besprochen und ich freute mich auf einen italienischen Salat. Der Besitzer kam mit einem breiten Lächeln im Gesicht zu meinem Platz und servierte: „Einen glutenfreien Salat für die Dame!“ Ich saß sprachlos und mit offenem Mund am Tisch. Der vermeintlich glutenfreie Salat war über und über mit Croutons bestreut! Leider handelte es sich, wie vermutet, nicht um glutenfreie Croutons und so stand der Besitzer kurzzeitig mit offenem Mund am Tisch! 😀 Ich erlebte dennoch einen sehr schönen Abend mit einem italienischen Salat, welcher beim zweiten Anlauf nun glutenfrei war. 

Ernährungsumstellung heißt im Fall Zöliakie auf Zubereitungsumstellung. Das strikte Trennen aller Utensilien, sowie die gesonderte Zubereitung der Speisen ist gut bekannt. Wird zeitgleich glutenhaltiges Essen zubereitet, so muss extrem genau auf eine mögliche Kontamination geachtet werden. Gedankenverloren ließen sich schnell die glutenfreien Nudeln mit dem gleichen Löffel umrühren wie die glutenfreien Nudeln! Bei Zöliakie ist dies nicht möglich! Durch diesen Zubereitungsvorgang wäre die glutenfreie Pasta nicht mehr glutenfrei!

Seit einiger Zeit ist nun in Deutschland die Deklaration für lose Lebensmittel vorgeschrieben. Aber auch diese hat so ihre Tücken. Gerne werden im Restaurant Produkte wie Bier oder Malzbier versehentlich, bei der Deklaration bezüglich Gluten, nicht beachtet. Schnell wird auf den eigentlich glutenfreien Eisbecher noch eine formschöne Eiswaffel, welche leider nicht glutenfrei ist, aufgesteckt und somit wurde der Eisbecher nun rasch in einen Glutenhaltigen verwandelt! Um sicher zu gehen empfehle ich stets nachzufragen und auf die WichtigBrot Scheiben Mehrkornkeit der glutenfreien Ernährung hinzuweisen. Meist sind die Gastronomen stets offen für die besonderen Ernährungsbedürfnisse und ermöglichen gerne etwas Glutenfreies. Für den Fall der Fälle habe ich immer glutenfreies Brot wie das Meisterbäcker Brot von Schär dabei, denn ein glutenfreier Belag lässt sich doch meist finden. 🙂

 

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Tanja

Bereits im frühen Kindesalter stellten sich typische Symptome der Zöliakie bei mir ein. Die Diagnosestellung erfolgte jedoch erst nach einer langen Ärzteodyssee im Alter von 22 Jahren. Einige Zeit später wurde zusätzlich Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit diagnostiziert. Da ich leidenschaftlich gerne koche und backe, ließ ich mich nicht entmutigen und ersetzte die herkömmlichen Koch- und Backzutaten in verträgliche Alternativen. Heute gehören die neuen Ernährungsgewohnheiten für mich und meine Familie zum Alltag, da mein Sohn Laktose und Fruktose ebenfalls nicht verträgt. Ich bin ausgebildete Ernährungsberaterin und betreibe den glutenfreien Foodblog "Tanja`s glutenfreies Kochbuch". Ich halte regelmäßig glutenfreie Backkurse ab und die hergestellten Backwaren haben schon auf viele Gesichter ein erleichtertes Lächeln gezaubert.