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Schär Team, 06. Juni 2014 Eintauchen

Psychische Probleme bei Zöliakie

Depressionen, Kraftlosigkeit, Verhaltensstörungen, Konzentrationsstörungen, fehlende Motivation, Angststörungen, Schlafstörungen und Essstörungen bei Erwachsenen, psychische Auffälligkeiten wie Reizbarkeit und schulische Leistungsschwäche bei älteren Kindern, Wesensveränderungen wie Weinerlichkeit, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Apathie bei kleinen Kindern  …

Man liest über solche Symptome, doch es gibt noch nicht so viele Untersuchungen zu der Frage, wie viele Menschen mit Zöliakie tatsächlich auch psychische Probleme haben. Man kann nur vermuten, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist.

Wenn Studien zum Thema „Zöliakie und Psyche“ durchgeführt werden, ist die Zahl derer, die angeben auch psychisch unter der Zöliakie zu leiden, allerdings beachtlich. Bei einer Studie aus dem Jahr 2012 (Arigo et al., 2012) zum Beispiel, an der 177 zöliakieerkrankte Frauen teilnahmen, berichteten 37 Prozent über depressive Beschwerden und 22 Prozent über Essstörungen. Bei einer anderen Untersuchung aus dem Jahr 2010 (Zingone et al., 2010) wurde die Qualität des Schlafes von Zöliakiepatienten unter glutenfreier Diät und ohne glutenfreie Diät mit der Schlafqualität gesunder Menschen verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass Schlafstörungen bei Menschen mit Zöliakie ein häufiges Phänomen sind. Dies war selbst dann der Fall, wenn sie sich glutenfrei ernährten. Da Schlafstörungen in einem engen Zusammenhang mit Depressionen, Angststörungen und Fatigue, d. h. Erschöpfungszuständen, stehen, sind diese Studienergebnisse als Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Zöliakie und psychischen Beschwerden zu bewerten.

Es liegt es nahe, dass es bei einer Erkrankung wie der Zöliakie, bei der die „richtige“, nämlich die glutenfreie Ernährung, eine so zentrale Rolle im Leben der Patienten spielt, zu Essstörungen kommen kann. Schließlich müssen sich Zöliakie-Patienten, insbesondere Jugendliche, in erheblichem Maße mit ihrem Essverhalten umstellen und fühlen sich dadurch oftmals auch im Umgang mit ihrem sozialen Umfeld beeinträchtigt.

Angststörungen können sich dadurch äußern, dass die Betroffenen sich grundsätzlich „ängstlicher“ in verschiedensten Lebensbereichen verhalten. Sie fürchten mögliche Kontaminationen ihrer Nahrung im eigenen Haushalt, trauen sich aus Angst vor Kontaminationen nicht mehr, außer Haus essen zu gehen oder schlagen Einladungen aus. Zum Teil entwickeln sie regelrechte Phobien. Andere befürchten gesellschaftliche Ausgrenzung durch ihre Erkrankung. Menschen mit Zöliakie können aber auch mit Ängsten reagieren, wenn trotz glutenfreier Ernährung die Symptome nicht abklingen. Oder sie haben Angst davor, an zusätzlichen Unverträglichkeiten, wie z. B. Laktoseintoleranz, Fructosemalabsorption oder Histaminintoleranz zu erkranken oder vor möglichen Folgeerkrankungen der Zöliakie. Viele Patienten berichten insbesondere über ihre Angst vor möglichen Tumorerkrankungen. Für Zöliakiepatienten kann es ausgesprochen schwierig werden, gesunde Vorsicht von übergroßer Angst zu unterscheiden, so Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZEisbeutel bei KopfschmerzenG).

Ein Schutz vor dieser Angst kann das verlässliche Wissen darüber sein, was gefahrlos gegessen werden kann und was nicht. Hier ist die fachliche Beratung eines spezialisierten Arztes und Ernährungsberaters eine große Hilfe. Wenn es fest steht, wovor der Patient Angst hat, ist der nächste Schritt die medizinische Aufklärung. Hier ist es wichtig, dem Patienten konkret darzulegen, welche Risiken vorhanden sind und in welchem Maße. In vielen Fällen zeigt sich dann, dass das Risiko, z. B. als Folge einer Zöliakie an einem Tumor zu erkranken, nicht so groß ist, wie befürchtet. Eine weitere Maßnahme wäre, eine qualifizierte Ernährungsberatung und eventuell auch eine Begutachtung des Haushalts, um Kontaminationsquellen zu ermitteln bzw. Schwachstellen zu beseitigen. Ist der eigene Haushalt „sicher“, schafft dies auch persönliche Sicherheit bzw. Freiräume. Sollten sich die psychischen Beschwerden nicht bessern, ist die Behandlung bei einem Psychologen, Neurologen oder Experten für psychosomatische Erkrankungen zu empfehlen, so Baas.

Bekannt ist, dass eine Depression ein mögliches Symptom der Zöliakie ist, die sich unter glutenfreier Ernährung auch bessern kann. Es gibt aber auch Patienten, die erst durch die Diagnose Zöliakie depressiv werden, weil sie ganz einfach mit den damit einhergehenden Einschränkungen nicht zurechtkommen und sich Gedanken über mögliche Folgen machen. Lesen Sie dazu auch die Studie. Möglich ist aber auch, dass bereits vor der Zöliakie-Diagnose eine Depression bestand, die mit der Zöliakie nichts zu tun hat. Die Diagnose einer chronischen Erkrankung wird dann aber sicher erschwerend hinzukommen.

Eine strikte glutenfreie Diät bringt in über 95% eine rasche symptomatische Besserung der körperlichen Beschwerden und meist auch organische Heilung. Ob eine glutenfreie Kost zu einer Besserung zöliakie-assoziierter psychischer Störungen führt, ist leider nicht sicher erwiesen.

Tipp: Lesen Sie in diesem Zusammenhang außerdem: Forschung: Zöliakie und neurologische Folgen

An der Universität Marburg werden die Auswirkungen auf das kognitive Leistungsprofil und das Spektrum neurologischer Störungen bei Zöliakie systematisch untersucht. Eine weitere Studie untersucht den möglichen Zusammenhang zwischen Zöliakie und ADHS bei Kindern (in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters Tübingen). Die Entstehungsmechanismen neurologischer Komplikationen bei Zöliakie werden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) e.V. und dem Institut für Zellbiologie, Abt. für Immunologie der Universität Tübingen untersucht. Durch ein verbessertes Verständnis der Krankheitsprozesse sollen neue Therapieansätze in Zukunft möglich werden. Mehr unter: http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/umr_neu/16315.html

Quellen:

Psychiatric comorbidities in women with celiac disease, Arigo D, Anskis AM, Smyth JM, Chronic Illn. 2012 Mar;8(1):45-55. doi: 10.1177/1742395311417639. Epub 2011 Sep 20.

The quality of sleep in patients with coeliac disease, Ap&T, F. Zingone, M. Siniscalchi, P. Capone, R. Tortora, P. Andreozzi, E. Capone & C. Ciacci, Alimentary Pharmacology and Therapeutics 2010, 32, 1031 – 1036, BlackwellPublishing

http://www.drschaer-institute.com/smartedit/documents/yourlife/coeliacforum_02_2009_de.pdf; http://www.mein-allergie-portal.com/allergie-news/285-zoeliakie-welche-psychischen-folgen-koennen-auftreten-was-kann-helfen;

 

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