Ulrike

Ulrike, 21. September 2015 Eintauchen

Jeder Zehnte verträgt keinen Weizen!

Noch vor zwei Jahren düste ich, mit einer Lupe bewaffnet, durch die Regale im Supermarkt meines Vertrauens – vor einem Jahr offenbarte sich vor meinen entzückten Augen ein Regal voller leuchtend gelber Schär-Verpackungen. Und das Regal ist seither immer breiter geworden. Mit der Nachfrage steigt wohl das Angebot – und vielleicht oder wahrscheinlich hat es ja damit zu tun, dass immer mehr Menschen keinen Weizen vertragen? Schließlich soll heute bereits jeder Zehnte empfindlich auf das glutenhaltige Getreide reagieren.

Haben wir uns selber genetisch ausgetrickst?

Diese Frage beschäftigt mich besonders, seit ich vor Kurzem einen wissenschaftlichen Artikel gelesen habe, in dem gesagt wird: „Die genetischen Veränderungen glutenhaltigen Weizens, die sich während der letzten 10.000 Jahre ereignet haben und zu quantitativen und qualitativen Verbesserungen führten, stellen gewissermaßen einen ‚evolutionären Fehler‘ dar und bilden die Grundlage für die Entstehung von Krankheiten beim Menschen. Diese Formen von Glutenintoleranz, die insgesamt bei rund 10% der Gesamtbevölkerung auftreten, gehören zu den absolut gesehen häufigsten Krankheiten, wenn man bedenkt, dass allein die Zöliakie (CD für Coeliac Disease), die am stärksten ausgeprägte Form der Glutenintoleranz, rund 1% der Kinder und Erwachsenen Europas betrifft.“ Diesen Gedanken, dass wir Menschen uns quasi selber ein Ei gelegt haben (auch schon in Zeiten vor der berühmten Gentechnik!), hat mich dann doch etwas mulmig gestimmt.

Gluten ist nicht nur bei Zöliakie und Weizenallergie tabu

Wir leben – glücklicherweise – in einer Zeit, in der sich Medizin und Forschung ganz rasant weiterentwickeln. Beispielsweise habe ich schon so oft von Leuten mit Zöliakie gehört, dass sie sich heute sicher sind, dass ihre Mutter oder ihr Vater ebenfalls Zöliakie hatten, weil sie eben über dieselben Symptome geklagt hatten, ihnen aber seinerzeit kein Arzt weiterhelfen konnte. Mit der Zeit – und das ging wohl gewissermaßen Hand in Hand – wuchs die Sensibilität der Ärzte für Glutenunverträglichkeiten, damit auch die Häufigkeit der Diagnosen, und letztlich nahm natürlich auch der Bedarf – und das Angebot – an glutenfreien Lebensmitteln zu. Da hätten wir schon eine Antwort gefunden. Aber damit sind wir noch immer nicht bei den zehn Prozent. Nun, nachdem es heute an und für sich „kein Problem“ mehr ist, mittels geeigneter Untersuchungen eine Zöliakie oder eine Weizenallergie mit Bestimmtheit festzustellen (auch wenn für viele heute noch der „Leidensweg“ bis zur Diagnose ein langer ist), haben erst vor wenigen Jahren neue Erkenntnisse aufhorchen lassen. Es gibt noch weitere Überempfindlichkeiten, die auf den Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln zurückzuführen sind! Intensiv unter der Lupe der Forscher steht jetzt die Gluten Sensitivity. Ihr habt sicher schon davon gehört, oder?

Hintergrund für Bauchschmerzen, Hautprobleme, Kopfschmerzen etc.

Bei der so genannte Non Celiac Gluten Sensitivity handelt es sich auch um eine empfindliche Reaktion auf das Klebereiweiß Gluten, die sich ganz unterschiedlich und mit sehr ähnlichen Symptomen wie bei Zöliakie äußern kann. Neben Bauchschmerzen, Hautproblemen oder Durchfall zeigen Menschen mit Gluten Sensitivity auch Symptome wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Verwirrung u.v.m. Bei der Vielfalt an Beschwerden ist es natürlich schwierig herauszufinden, welche Erkrankung bei einem Menschen überhaupt vorliegt. Ich stell mir zum Beispiel vor, dass wenn jemand ständig Kopfschmerzen hat und damit zum Arzt geht, dieser zuerst mal an eine ganze Reihe anderer Krankheiten denkt, die wahrscheinlich häufiger die Ursache für Kopfschmerzen sind – und die mit dem Essen nichts zu tun haben. Es ist also kompliziert.

Schwer zu diagnostizieren

In dem genannten Artikel steht auch, dass es „keine typischen GS-Marker gibt“. Das heißt: Bisher ist es nur mittels Ausschlussdiagnose möglich, eine Gluten Sensitivity festzustellen. Das bedeutet, dass im ersten Schritt eine Zöliakie und eine Weizenallergie ausgeschlossen werden müssen. Sprich werden sämtliche Tests durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass weder eine Zöliakie, noch eine Weizenallergie vorliegen. Im Augenblick kann eine Diagnose nur dann gesichert gestellt werden, wenn die Symptome beim Weglassen von glutenhaltigen Lebensmitteln verschwinden – und dass sie wieder auftreten, sobald Gluten konsumiert wird. Die imaginäre Person mit den Kopfschmerzen wird somit eine ganze Reihe von Untersuchungen vor sich haben, bis eine Gluten Sensitivity erkannt wird!

Weit häufiger als Zöliakie und Weizenallergie

So schwierig die Diagnose, so schwer ist es auch zu sagen, wie viele Menschen von Gluten Sensitivity betroffen sind. Man vermutet, dass Gluten Sensitivity mindestens 6 bis 7 Mal so häufig auftritt wie Zöliakie. Das Ergebnis ist dasselbe, denn auch für Menschen mit Gluten Sensitivity gilt: Finger weg von glutenhaltigen Lebensmitteln! Ob es bei Gluten Sensitivity wie bei Zöliakie „lebenslänglich“ heißt, dafür sind Langzeitstudien notwendig. Das werden wir also wohl erst in einigen Jahren wissen.

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Ulrike

Hallo allerseits! Mein Name ist Ulrike und ich darf euch künftig mit spannenden Neugikeiten rund ums glutenfreie Leben versorgen. Seit ich denken kann, interessiere ich mich brennend für alles, was mit Gesundheit und Ernährung zu tun hat. So ist auch das Kochen mein größtes und liebstes Steckenpferd. Meine Co-Moderatorinnen und ich freuen uns schon darauf, den glutenfreien Alltag mit tollen Artikeln und Tipps aufzupeppen! Viel Spaß, Eure Ulrike