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trudel, 24. Juli 2017 Eintauchen

Glutenfrei in Krankenhaus und Reha

In  den letzen drei Jahren habe ich meine Erfahrungen mit der glutenfreien Ernährung im Krankenhaus und in der Reha gemacht und die waren nicht immer gut. Ich wusste gar nicht, was so alles passieren kann. Für mich war es selbstverständlich, dass es in einem Krankenhaus glutenfreies Essen gibt, vor allem wenn das lange genug vorher angemeldet wird.

Die erste OP hatte ich an der Schulter und der Termin wurde  schon drei Monate vorher festgelegt. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass ich glutenfreies Essen brauche. Die Sekretärin empfahl mir, für den ersten Abend etwas mitzubringen. Sie konnte mir nicht garantieren, dass das gleich klappt. Zur Vorsicht nahm ich Kekse und eingeschweißtes Brot mit. Sie hatten dann doch Brot (Schär Landbrot) für mich da. Gott sei Dank schmeckt das auch ungetoastet gut.

Am OP Tag wurde mir, nachdem ich wieder munter war, ein Essen hingestellt. Gott sei Dank war ich einigermaßen klar im Kopf und habe gleich, beim Öffnen der Haube gesehen, dass das Essen nicht glutenfrei ist. Alles, sogar das Dessert war glutenhaltig. Die Schwester kam, ich habe sie gebeten mir doch Obst und Joghurt zu bringen. Sie hatte nichts in der Teeküche und hat mir dann von sich einen Apfel geschenkt. Frühstück und Abendessen war jeden Tag gleich aber glutenfrei und gut.

Mit dem warmen Essen war es schwierig, bis es geklappt hat. Jeden Tag kam eine nette Praktikantin und hat mich gefragt, was ich denn morgen essen möchte, das Essen kam vom Caterer und musste vorbestellt werden. Ein Essensplan lag auf meinem Nachttisch. Ich habe ihr erklärt, dass ich nicht so einfach essen könnte, was auf dem Plan steht, es stand nirgends dabei, was glutenfrei ist. Ich bat sie, mir doch bitte eine Ernährungsfachfrau vorbeizuschicken. Erst am dritten Tag hat das dann geklappt. Gott sei Dank habe ich eine gute Freundin, die mir immer wieder etwas Gebackenes gebracht hat. Die Zusammenstellung des Essens war einfallslos, glutenfrei ist gleich langweilig, fettarm und fad. Ich würde dem Caterer gerne mal Nachhilfe geben in glutenfreiem Kochen.

In der Reha in Bad Saulgau war eine sehr nette Ernährungsberaterin, die für mich extra gekocht hat und das Essen war gut und schmackhaft. Sie hat mir sogar einen Toaster gekauft und ich durfte mein Brot frisch toasten.

Zwei weitere Krankenhausaufenthalte folgten mit ähnlichen Erfahrungen. Ich empfehle euch, wenn ihr eine geplante OP habt, unbedingt ein Notpaket mitzunehmen. Das kann sein: Eingeschweißtes Brot, Brötchen, Muffins, Cracker, Kekse und Salzbrezeln. Gut sind Brote und Brötchen, die nicht aufgebacken werden müssen, denn es gibt keinen Toaster im Krankenhaus. Sehr hilfreich ist es natürlich, wenn ihr Freunde oder Familie in der Nähe habt, die euch zur Not versorgen können. Gott sei Dank gibt es auch Krankenhäuser, in denen es mit dem Essen gut klappt.

So könnte eine Notration aussehen

Letztes Jahr hatte ich eine Knie OP. Es war wieder das Gleiche im Krankenhaus, Essen vom Caterer. Die Auswahl an glutenfreien Gerichten war mager. Da ich ja schon wusste, was sein kann hatte ich einen Vorrat an glutenfreien Gebäcken dabei. Liebe Freunde haben mir ab und zu etwas Glutenfreies vorbeigebracht.

Nach 10 Tagen Krankenhausaufenthalt  kam ich in die Reha nach Bad Saulgau und da es dort immer sehr gut geklappt hat, bin ich gerne hingegangen. Dieses Mal war es etwas schwieriger und das lag nicht an der Rehaklinik.

Das glutenfreie Essen wurde immer als Erstes, abgedeckt mit einer Cloche darüber, auf meinen Platz gestellt. Es stand ein Schild „glutenfrei“ dabei. Eines Tages kam ich zum Essen und habe, im Vertrauen auf glutenfreies Essen, angefangen zu essen. Bei der zweiten Gabel merkte ich, dass die Nudeln nicht glutenfrei sein können. Man kriegt so ein Gespür dafür. Auf meine Frage ans Personal ob sie mir ein falsches Essen hingestellt hätten, kam die Antwort, dass es ganz sicher das glutenfreie Essen war. Meine Tischnachbarin, eine nette Russin, hatte mein Essen gegessen, weil ihr Essen noch nicht da war. Auf meinen Platz wurde ein neues Essen hingestellt, leider glutenhaltig. Über die Folgen möchte ich lieber nichts erzählen. Ich habe dann am Tisch erklärt, dass ich ein spezielles glutenfreies Essen kriege und das unverzichtbar für mich ist und was es für Auswirkungen hat.

Einige Tage später fehlte mein Essen. Das hatte mein Tischherr gegenüber gegessen. Gott sei Dank war noch kein neues Essen da. Auf meine Frage: Haben sie mein Essen gegessen, kam die Antwort: Ja, ich habe extra unter die Haube geschaut und das Essen mit den anderen Essen verglichen. Es sah genauso aus wie die anderen Essen. Das hat mich sprachlos gemacht. Konnte er sehen, ob das Essen glutenfrei war??

Daraufhin hatte ich ein Gespräch mit der Ernährungsberaterin und habe ihr empfohlen, dass ich mich jedes Mal melde, wenn ich komme und sie mir dann erst das Essen bringen. Ich habe die Reha, dann doch noch gut abschließen können. Meine Tischnachbarn sind abgereist und es gab keine Zwischenfälle mehr. Der Herr meinte zum Abschied, dass er das Wort Gluten nie mehr vergessen werde. Gut so!

In der Rehaklinik gab es eine sehr schöne Cafeteria, die wunderbare Kuchen angeboten haben, allerdings nicht für mich. Die Damen waren aber so nett und haben mir Schär Kekse besorgt. Schön ist es, wenn der Physiotherapeut, der auch Zöliakie hat eine glutenfreie Torte mitbringt.

In der letzten Woche gab es ein Highlight, ich durfte mit der Ernährungsberaterin, zwei Therapeuten, die auch Zöliakie haben und mit zwei Mitpatienten mit Glutenunverträglichkeit in der Lehrküche einen kleinen Backkurs halten. Wir haben Nusszopf, Hefezopf und Apfeltaschen gebacken. Alle waren begeistert, wie gut glutenfreies Gebäck sein kann.

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Ich bin die Trudel und ihr kennt mich sicher schon über meine Website www.glutenfrei-kochen.de und den Blog blog.glutenfrei-kochen.de. Ich bin 70 Jahre alt, verheiratet, habe 3 Kinder und zwei Enkel. Seit 20 Jahren weiß ich, dass ich Zöliakie habe. Ich koche und backe leidenschaftlich gerne und mir fallen immer wieder neue Rezepte ein. Ich bin Kontaktperson für die DZG und betreue die Zöliakiegruppe Horb-Freudenstadt. Im Moment arbeite ich meine Nachfolgerin ein. Ich halte Backkurse mit verschiedenen Zöäliakiegruppen und habe mir vorgenommen, den Zölis die Angst vor dem Backen zu nehmen. Gerne möchte ich euch im Blog an meiner Erfahrung teilhaben lassen.